Die Yamas : Ahimsa – Gewaltlosigkeit


Hallo lieber Yogi,

du hast bestimmt schon einmal gehört, dass Yoga mehr ist als nur die Asanas in den Yogastunden. Du weißt, dass zu Yoga auch eine Lebensphilosophie gehört oder dein Yogalehrer hat im Unterricht mal ein paar Worte dazu fallen gelassen, wie Yogis mit dem Leben umgehen. Aber was denn jetzt genau damit gemeint ist, ist dir immer noch nicht so ganz klar geworden?

Dann bist du nicht alleine! Sehr vielen Yogaschülern geht es so und glaub mir auch manche Lehrer stellen sich ebenfalls immer wieder die Frage ob sie die Philosophie des Yoga wirklich kennen und verstanden haben. Um ein bisschen mehr Licht ins Dunkel zu bringen möchte ich dir heute die so genannten „Grundregeln“, besser gesagt universelle Handlungsempfehlungen im Yoga, die Yamas etwas näher bringen.

Die Yamas sind frei übersetzt ethische Ratschläge für den Umgang mit anderen. (Patanjali Sutra II.29)

Sie bestehen aus:

Ahimsa = Nicht verletzten/Gewaltlosigkeit

Satya = Wahrhaftigkeit

Asteya = Nichtstehlen

Brahmacarya = Enthaltsamkeit

Aparigraha = Nicht Annehmen/Unbestechlichkeit

(Sutra II.30)


Heute möchte ich auf das erste Yama, Ahimsa, die Gewaltlosigkeit ein bisschen näher eingehen, eines der vermutlich bekanntesten Yamas.

Patanjali schreibt, dass uns keine Feindschaft mehr begegnet, wenn wir Liebe und Mitgefühl entwickeln.

Vielleicht hast du auch schon gemerkt, dass wenn du selbst entspannt und in Frieden mit dir und der Welt bist andere viel schwerer mit dir streiten können oder es gar nicht erst versuchen. Zudem trifft ein freundlicher und friedlicher, sanftmütiger Mensch viel weniger auf Menschen, die ihm Böses wollen.

Und wenn ihm Feindschaft doch einmal begegnet, pflegt der Yogi meistens einen friedlichen Umgang damit. Er weiß, dass sie oft aus Unwissenheit entsteht und dass eine „gewalttätige“ Gegenreaktion ebenfalls nur Leid verursacht.

Dabei geht es gar nicht nur um physische Gewalt sondern auch um psychische. Wir können nicht nur durch unsere Taten verletzen, sondern auch (und oftmals noch viel schlimmer und dauerhafter) durch unsere Worte.

Da geraten wir in Rage und schnell gleitet uns etwas über die Lippen, dass wir im Nachhinein lieber wieder zurück nehmen würden.

Begegnest du eventuell anderen Menschen respektlos, weil sie nicht die gleiche Ansicht wie du haben, du sie einfach nicht magst, sie eine Arbeit ausführen, die du im Wert unter deiner anordnest? Auch das ist eine Form von Gewalt. Das Verletzen von der Würde und dem Selbstwert eines anderen Menschen.

Das Ganze geht aber noch etwas weiter.

Verletzt du dich selbst? Bist du voller Gewalt dir selbst gegenüber? Wir selbst sind oft unsere größten Kritiker und sehr hart zu uns. Achte für einen Tag einmal auf deine Gedanken und beobachte wie du mit dir selbst sprichst. Machst du dich innerlich selbst runter, weil du einen Fehler gemacht hast/ eine Aufgabe nicht abgeschlossen hast/ Schokolade gegessen hast obwohl du dich selbst auf Diät gesetzt hast? Das alles ist ein Form von gewaltsamen Verhalten gegenüber dir selbst.

Eventuell denkst du jetzt, dass du dich innerlich aber so tadeln musst um besser zu werden und endlich dein Ziel zu erreichen/die Aufgabe zu erledigen/ abzunehmen/….

Aber ich kann dir aus Erfahrung sagen, dass du mit positiven und aufbauenden Worten viel schneller und entspannter an dein Ziel kommst, als wenn du dich selbst oder andere durch Worte oder Taten verletzt.

Das ist ein bisschen wie mit einem kleinen Kind. Du würdest es doch auch nicht tadeln und runter machen, wenn es seine ersten Schritte macht und dabei umfällt. Du lobst es und sagst ihm wie gut es bisher schon geklappt hat und das es noch viel besser wird! Und genauso kommt es dann auch und das mit leuchtenden, glücklichen Augen auf beiden Seiten! Ich möchte dich einladen, dass Ganze einmal für dich auszuprobieren und zu schauen ob es dir damit besser geht und sich eventuell sogar deine Beziehungen zu den Menschen um dich herum verbessern. Wie kannst du das ganz jetzt angehen?


Beobachte

Fang da an wo du bist und nimm die kleinen Dinge wahr. Beobachte einmal einen Tag lang deine Worte und Taten, äußerlich in Bezug auf andere Menschen als auch innerlich im Umgang mit dir selbst. Verweigerst du dir Essen, weil du zu beschäftigst bist und quälst dich mit Hunger? Machst du dich innerlich selbst fertig, weil du auf der Arbeit einen Fehler gemacht hast? Hast du deinem Freund/Freundin etwas Verletzendes gesagt, weil du selbst genervt/verletzt bist? Wirst du in einem emotionalem Streit beleidigend oder ausfallen?

Nimm das ganze einfach einmal wahr. Nur beobachten und wahrnehmen.

Halte einen Moment inne und entscheide neu

Wann immer dir auffällt, dass du gerade wieder einen inneren Monolog führst, der dich selbst nieder macht, sag innerlich „Stop“ und höre auf diese Gedanken weiter zu denken. Wann immer du bemerkst, dass du jemand anderen verletzt, mag es nun durch Worte oder Taten sein, hör einfach auf. Beende den Streit, halte Inne bevor du etwas sagst, dass du hinterher nicht mehr zurück nehmen kannst. Finde eine konstruktivere und gewaltlose Art deine Meinung zu vertreten und deine Ansicht dazulegen. Oft hilft es sich diesen kleinen Moment bewusst zu machen, den man hat, bevor man etwas Verletzendes sagt oder tut und sich neu zu entscheiden ob man wirklich so reagieren/handeln möchte.

Übe Yoga

Du hast bestimmt schon geahnt, dass das jetzt kommt oder? ;-)

Aber wirklich: übe Yoga. Der Platz auf deiner Matte ist der perfekte Ort um Ahimsa, die Gewaltlosigkeit zu üben. Bleibe in den Asanas achtsam.

Treibst du dich selbst zu sehr an? Zwingst du dich tiefer in eine Asana obwohl es sich nicht gut anfühlt? Geht dein Gedankenkarussel wieder los und du machst dich innerlich selbst fertig, das du mit deinem Knie nicht zur Nase kommst/ mit deinen Händen deine Füße immer noch nicht berühren kannst und überhaupt der Yogi neben dir das alles irgendwie viel schöner hinbekommt? Nimm das alles wahr und übe hier einen sanften Umgang mit dir! Akzeptiere deine Grenzen, sieh deine Erfolge, vergleiche dich nicht mit anderen.

Sei selbst dein bester Freund/Freundin und sag nichts zu dir, was du nicht auch zu ihr/ihm sagen würdest!

In diesem Sinne,

Namasté

Deine Shirley

#Yoga #Vinyasayoga #Patanjali #Ahimsa #Yamas

​© 2016-2020 by my yoga corner